Beim Jugendaustausch konnte ich meine Essstörung überwinden

Mia und ihre Freundin halten eine spanische Flagge und machen dabei akrobatische Verränkungen

Mia Henderson (links) mit einer spanischen Freundin in Madrid am spanischen Nationalfeiertag

Von Mia Henderson, Jugendaustauschschülerin 2019/20 aus Cedar Rapids (Iowa), USA; sie verbrachte einige Monate in Madrid, Spanien

Ich war 16 Jahre alt, als ich meine Sachen packte, um für ein Jahr in einem unbekannten Land zu leben, unbekannte Menschen zu treffen, und mit ihnen in einer Sprache zu kommunizieren, die ich nicht gut beherrschte. Das mag etwas beängstigend klingen, doch mein Jugendaustausch mit Rotary in Spanien war für mich ein positives, wirklich lebensveränderndes Abenteuer.

Die Vorbereitung auf den Austausch 2019/20 war intensiv und dauerte mehrere Monate. Dazukam, dass ich in einer schwierigen Entwicklungsphase war und mit meinem kritischen Verhältnis zum Essen zu kämpfen hatte. Der bei weitem größte Kampf meiner Jugend bestand darin, mich selbst und mein Aussehen lieben zu lernen.

Liebe und Essen

Mia sitzt mit einem älteren Mann, einer älteren Frau und zwei jungen Mädchen an einem Tisch in einem edlen Restaurant, im hintergrund eine erleuchtete Vitrine mit einer Kunst-Instalation.

Mia (vorne rechts) bei einem Restaurantbesuch mit ihrer spanischen Gastfamilie

Dass mir mein Aufenthalt in einem fremden Land bei der Bewältigung dieser Probleme helfen würde, hatte ich nicht erwartet. Die Kultur in Spanien ist auf Liebe und Essen aufgebaut. Das gilt auch für diejenigen, die nicht zur unmittelbaren Familie gehören, etwas, das ich in den USA nie erlebt habe. Ob ich nun von meiner brandneuen Gastschwester umarmt wurde oder zu einem wunderbaren Abendessen mit meinem Rotary Club de Tres Cantos in Madrid eingeladen wurde – ich fühlte mich angenommen und willkommen.

Die Zeit, die ich mit diesen fürsorglichen Menschen verbringen konnte, hat mir die Augen für meine Essstörung geöffnet und mir mein Selbstvertrauen wiedergegeben. So viel Freundlichkeit und echte Liebe in meinem Leben zu spüren, hat mich gelehrt, dass es in der Welt so viel mehr gibt als Essen.

Inspiration für einen Food-Blog

Einige meiner Probleme mit dem Essen haben mit meiner Liebe zum Essen zu tun. Ich bin eigentlich ein Foodie. Beim Ausprobieren all dieser neuen Gerichte in Spanien habe ich bemerkt, dass hinter jedem Gericht eine Geschichte steckt, und die möchte ich erzählen. Das war der Zeitpunkt, an dem ich anfing, mich voll auf meinen Food-Blog zu konzentrieren und spanische Gerichte in online zugängliche, gesunde Rezepte zu verwandeln.

Mein Ziel ist es, anderen diese außergewöhnlichen Aromen auf eine gesunde Art und Weise näherzubringen. Bei Mia’s Low Carb Life gibt es alles, vom zuckerfreien spanischen Turrón bis zum ganzen gebratenen Lamm – direkt nach dem Rezept meiner ersten Gastmutter! Das Kochen mit meinen Gastfamilien brachte mir die Freude und das Selbstvertrauen zurück, das ich einst in der Küche.

Mit Selbstvertrauen zum Traum-Job

Mia hat eine Kamera und schaut sich in einer Straße mit alten Steinhäusern um

Mia erkundet die jahrtausendealte Stadt Sigüenza

Ich verbrachte sieben Monate in Spanien, bevor die COVID-19-Pandemie ausbrach und Rotary seine Austauschschüler und -schülerinnen zu ihrer Sicherheit zurückbeorderte. So kurz Zeit fern der Heimat auch war, ich habe dadurch gelernt, was es bedeutet, auf sich selbst gestellt und mit sich im Reinen zu sein. Ich weiß jetzt, dass man erst dann mit anderen glücklich werden kann, wenn man herausgefunden hat, was einen selbst glücklich macht.

Für mich bedeutete das, dass ich meine Liebe zum Essen und zum Sport wiederentdeckte und mich bei beiden Aktivitäten richtig ausleben konnte. Ich fing wieder mit dem Gewichtheben an und fand sogar meinen Traumjob. Jetzt leite ich das Rezeptteam des ketogenen Ernährungsblogs KetoConnect und koche und schreibe jeden Tag. Ohne meine Austauscherfahrung hätte ich nicht das Selbstvertrauen gehabt, diesen Job anzunehmen.

Freunde fürs Leben

Verändert hat sich in diesen sieben Monaten auch, dass ich viele neue Freundinnen und Freunde gefunden habe. Echte Freunde, mit denen ich auch anderthalb Jahre später noch jede Woche telefoniere. Freunde, mit denen ich zusammen schweigen und mich trotzdem geborgen fühlen kann.

Ein Selfie von Mia, zwei Mädchen und zwei Jungen, die die gelb-rote spanische Flagge auf ihre Wangen gemalt haben und Grimassen schneiden

Mia (Mitte) mit ihren neuen Freundinnen und Freunden

Die schönste Überraschung war, dass ich mich bald als Gastgeberin revanchieren kann. Die Tochter meiner zweiten Gastfamilie zieht demnächst von Madrid nach Georgia, um dort aufs College zu gehen. Ich werde sie am Flughafen abholen und sie wird bei mir wohnen, bis sie sich auf dem Campus eingelebt hat. Schöner hätte sich dieser Austauschkreis nicht schließen können.


Rotary Jugendaustausch-Programm
Video zum Jugendaustausch

Anmerkung der Redaktion: Aufgrund der COVID-19-Pandemie und den weltweiten Diskrepanzen beim Zugang zu Impfstoffen hatte der RI-Zentralvorstand den Jugendaustausch in Person bis Juni 2022 ausgesetzt. Seit Juli 2022 läuft das Austauschprogramm wieder.

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