DEI-Task-Force-Mitglied Todd Jenkins setzt auf Dialog, Neugier und Mitgefühl

Ein Porträtfoto zeigt einen jüngeren, afro-amerikanischen Mann mit einer bunten Fliege statt Krawatte - ein Markenzeichen von ihm

Im September 2020 bildete Rotary eine Arbeitsgruppe, die bewertete, inwieweit Vielfalt, Gleichstellung und Inklusion (DEI) bei Rotary aktuell umgesetzt werden. Darauf aufbauend wird sie einen umfassenden Aktionsplan erstellen, der uns dabei hilft, diese Prinzipien weiter zu verankern. In diesem Interview erläutert Task-Force-Mitglied Todd Jenkins, wie Clubs und Distrikte DEI bei Rotary weiterentwickeln können.

Sie haben mit Unternehmen wie Walmart, Google, Facebook, American Airlines und Kellogg’s zusammengearbeitet. Was kann Rotary von diesen Unternehmen in Bezug auf DEI lernen?

Es gibt nicht den einen richtigen Weg oder eine Einheitsgröße für die DEI-Arbeit. Als Einzelpersonen und als Unternehmen müssen wir verstehen, dass wir uns alle auf einer Reise befinden. Was ich über diese großen Unternehmen sagen möchte, ist, dass sie den wirtschaftlichen Nutzen von DEI sehr gut verstanden haben – dass die Unternehmen mit der größten Diversität sich mit größerer Wahrscheinlichkeit besser entwickeln werden als ihre weniger diversifizierten Konkurrenten.

Sie gehen geschäftliche Risiken ein, die ihr Engagement für DEI widerspiegeln, und warten nicht, bis der Gesetzgeber dies regelt. Sie setzen ihren Einfluss für das Gute ein, um Gemeinwesen zu aktivieren und vielfältigen Stimmen Gehör zu verschaffen. Rotary muss sein Netzwerk und seine Verbindungen nutzen, um weiterhin ein integratives Wachstumsdenken zu aktivieren und sich zu einer einzigartigen Organisation zu entwickeln, in der die Inklusion im Mittelpunkt all dessen steht, was wir denken, sagen und tun. Es wird lohnend, aufregend und zunächst vielleicht auch etwas unangenehm sein – aber wir können es schaffen. Vielfalt und Inklusion sind entscheidend für unsere Wirkkraft heute und in der Zukunft – für Rotary und die nächste Generation von Führungskräften.

Sie sprechen vor Clubs und Distrikten in der ganzen Welt – gibt es Fragen, die Sie häufig hören, und wie gehen Sie darauf ein?

Es gibt sicherlich einige wiederkehrende Themen, und wir haben im vergangenen Rotary-Jahr viel Zeit darauf verwendet, Lösungen in der Webinar-Reihe Accountability + Inclusion zu skizzieren.

  1. Womit sollen wir anfangen? Dies ist eine wichtige erste Frage. Es ist von entscheidender Bedeutung, die Verhältnisse in Ihrer Heimatgemeinde zu eruieren und zu analysieren, wo Ihr Club steht und was Ihr Ziel ist. Wenn das klar ist, empfiehlt es sich, einen Plan zur Erlangung des Ziels zu erstellen und diesen dann in Ihrem Verhalten und Ihren Handlungen umzusetzen. Hier ist eine großartige Ressource, die Ihnen den Einstieg erleichtert.
  2. Wie nehmen wir zu unterschiedlichen Gruppen und Menschen mit vielfältigen Hintergründen Kontakt auf? Dies sollte für Rotary ein Kinderspiel sein, denn es geht darum, Beziehungen aufzubauen – authentische Beziehungen! Lernen Sie Menschen kennen, die anders sind als Sie, und gehen Sie Partnerschaften mit marginalisierten Gruppen ein, indem Sie humanitäre Projekte oder für diese Menschen nützliche Veranstaltungen durchführen. Stellen Sie mutige Fragen, um zu erfahren, inwiefern sich deren Erfahrungen von Ihren unterscheiden, und bauen Sie Brücken zwischen Rotary und diesen Gruppen.
  3. Wie können wir alle Beteiligten zum Mitmachen bewegen? Dafür ist es wichtig, dass die Bemühungen im Rahmen von DEI sich auf alle Aktivitäten erstrecken und alle einbeziehen. Sie sollte nicht in einem Vakuum stattfinden oder als einmalige Maßnahme. Der gesamte Vorstand des Clubs und des Distrikts sollte sich für die DEI-Arbeit engagieren, und wenn möglich sollten alle Ziele messbare Ergebnisse haben.

Was ist bezüglich DEI am schwierigsten zu verstehen?

Die Grafik zeigt verschiedene Menschen, z.B. auch einen Mann im Rollstuhl, mit unterschiedlichen Bedürfnissen: die erste Person braucht Sportschuhe, die zweite Schuhe in einem bestimmten Stil, bei der dritten Person ist die Größe wichtig und die vierte Person braucht bequeme Schuhe.

Gleichberechtigung bedeutet, dass jede Person ein Paar Schuhe hat. Gleichstellung bedeutet, dass jede Person eine Paar Schuhe hat, das ihr passt.

Da gibt es zwei Dinge. Erstens kann ein Club vielfältig sein, ohne jedoch inklusiv zu sein. Wenn die Inklusion keine Priorität hat, bringt das Probleme mit sich. Die Bemühungen um Inklusion müssen im Mittelpunkt unserer Werte und Handlungen stehen. Zweitens müssen wir den Unterschied zwischen Gleichberechtigung und Gleichstellung verstehen und uns bewusst sein, warum wir uns auf Gleichstellung konzentrieren. Gleichberechtigung bedeutet, dass alle Menschen unabhängig von ihren Lebensumständen den gleichen Zugang und die gleichen Möglichkeiten haben. Gleichstellung erfordert von uns, die strukturellen Hindernisse zu beseitigen, die den Menschen den Zugang zu Möglichkeiten erschweren, und erkennt an, dass Menschen unterschiedliche Voraussetzungen haben, um ihr Potenzial voll auszuschöpfen. Was ich damit meine, ist in der nebenstehenden Darstellung gut veranschaulicht.

Was raten Sie den Clubs und Distrikten, die spezielle Ausschüsse für DEI einrichten wollen?

Scheuen Sie sich nicht, schwierige Diskussionen zu führen. Achten Sie dabei darauf, dass Sie diese beiden Fragen beantworten können: 1) Wem wird dieses Gespräch nützen? 2) Was wollen wir erreichen? Wir alle kommen mit unterschiedlichen Voraussetzungen und Vorstellungen in diese Diskussion. Deshalb müssen wir Räume schaffen, in denen wir zuhören und schwierige Fragen zu Repräsentation, Kultur, Systemen, Grundsätzen, Programmen usw. stellen können, ohne uns dabei gegenseitig anzuprangern und anzuschuldigen oder zu debattieren statt einen Dialog zu führen. Ich habe gelernt, neugierig und mitfühlend zu bleiben, wenn es darum geht, andere Ansichten und Perspektiven zu verstehen. Je mehr wir uns in dieser Art von Gesprächen üben, desto besser werden wir werden.

Wie optimistisch sehen Sie die Zukunft von Diversität, Gleichstellung und Inklusion bei Rotary?

Hoffnung ist alles, was wir Menschen haben, und das ist einer der Gründe, warum ich glaube, dass Rotary bereit ist, sich diesem kontinuierlichen Entwicklungsprozess zu stellen. Rotary gibt jeden Tag Menschen überall auf der Welt Hoffnung. Außerdem das Engagement für DEI nicht immer nur anstrengend. Natürlich werden wir dabei mancher Herausforderung, manchem unbequemen Gespräch und manchem komplizierten Menschen begegnen. Ich habe jedoch in meinem Beruf erfahren, dass kleine Veränderungen im Rahmen von DEI einen großen Unterschied machen können. Wir sollten auch die kleinen Erfolge feiern – immer in dem Bewusstsein, dass wir auf dem richtigen Weg sind.


Zur Person: Dr. Todd Jenkins arbeitet als Leiter im Bereich globale Diversität, Gleichstellung und Inklusion bei einem US-amerikanischen „Fortune 100“-Unternehmen sowie als Executive Inclusion Trainer, Strategist und Redner bei Bowtie Leadership, Inc. Todd ist Mitglied im Rotary Club Fayetteville, Arkansas, und hat sich als Rotaract Advisor, Interact Sponsor, RYLA Presenter und Jugenddienstbeauftragter bei Rotary engagiert. Derzeit amtiert er als einer der jüngsten Distrikt-Jugendaustausch-Vorsitzenden. (Zum vollständigen Lebenslauf).

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