Akademisches Wissen und reale Anwendung

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Von Gianluca Bonanno (Präsident der International Peace and Sustainability Organization, Rotary-Alumnus)

Internationalität hat für mich schon immer eine große Rolle gespielt, denn ich besitze sowohl die italienische als auch die britische Staatsbürgerschaft. Mein Doktoratsstudium absolvierte ich dehalb im Bereich internationale Beziehungen – und zwar mit einem Stipendium der Rotary Yoneyama Memorial Foundation in Kyoto in Japan, durch das ich 2009 zum ersten Mal Rotary kennenlerte. Damals ahnte ich noch nicht, dass das, was ich für einfach nur für ein Stipendium hielt, einen so tiefgreifenden Einfluss auf meine berufliche und menschliche Entwicklung haben würde.

Akademisches Wissen erreicht die Menschen nicht

Da ich in eine Akademikerfamilie hineingeboren wurde, spielte ich als Kind oft auch in leeren Unterrichtsräumen an Universitäten in aller Welt. Bildung hat mich schon immer angezogen, und schon früh in meinem Leben wusste ich, dass ich mich beruflich in irgendeiner Weise damit beschäftigen würde.

Die Jahre meiner Ausbildung vergingen, ich machte ausgedehnte Reisen, erwarb meine beiden Doktortitel und schlug mit 28 Jahren schließlich eine akademische Laufbahn an einer angesehenen Universität ein. Hier wurde mir schnell klar, dass die meisten Gegenstände wissenschaftlicher Diskussionen und das meiste, was an Wissen produziert wurde, nicht wirklich die Menschen erreichte, für die es gedacht war.

Theorie mit Praxis verbinden

Ich begann, mich sehr aktiv an den sozialen Aktivitäten von Rotary zu beteiligen; zunächst über meinen Gast-Club. Mit meinem Studium wuchs auch meine Vertrautheit mit den Projekten von Rotary, und schon bald engagierte ich mich in Berufstrainingsteams und bei humanitären Global Grants in Ländern wie Indonesien und Nepal und gab mein Wissen weiter.

Nachdem ich sowohl Yoneyama Memorial Fellow als auch Foundation Fellow geworden war, wollte ich endlich versuchen, die Theorie mit der Praxis zu verbinden: Als Universitätsprofessor wollte ich künftige Generationen durch Bildung inspirieren und gleichzeitig vor Ort an Projekten mit armen und ausgegrenzten Menschen arbeiten.

Gründung der International Peace and Sustainability Organization
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Rotary-Foundation-Alumnus Gianluca Bonanno

Schon bald wurde mir klar, dass trotz der Dringlichkeit der Probleme, mit denen ich mich befasste, das System völlig unzusammenhängend war. Zwar hatte es den Anschein, dass sich alle wirklich ins Zeug legten, doch es schien auch so, als ob alle in verschiedenen Räumen und nicht als Team arbeiteten.

Im Jahr 2015 beschlossen wir daher mit der Unterstützung vieler Rotary-Mitglieder, die International Peace and Sustainability Organization – IPSO (Internationalen Organisation für Frieden und Nachhaltigkeit) zu gründen, eine iNGO und Denkfabrik, die die Kluft zwischen den in den akademischen Einrichtungen diskutierten Theorien und den tatsächlichen Problemen der Menschen vor Ort überbrücken soll.

Bereichsübergreifende Zusammenarbeit fördern

Unser Ziel war, Expert/innen mit unterschiedlichem Hintergrund und aus verschiedenen Regionen der Welt gemeinsam an einem Arbeitsplatz zusammenzubringen. Sie sollen sich gegenseitig so ergänzen, dass alle Beteiligten, insbesondere diejenigen, denen wir helfen wollen, davon profitieren.

Frieden und Entwicklung erreicht man niemals durch einen einseitigen Prozess. Nachdem ich in vielen Industrie- und Entwicklungsländern gelebt habe, war mir klar, dass wir alle besser fahren, wenn wir in unserem Erfolgsrezept von allem ein bisschen dabeihaben.

Erste Kyoto-Friedenskonferenz

Unser Einsatz für die Mission von Rotary, höhere operative Standards und Vertrauen sowie die Tatsache, dass wir nur auf der Grundlage strenger wissenschaftlicher Forschung arbeiten, führten dazu, dass wir weltweit mit Dutzenden von Clubs und Distrikten zusammenarbeiten, von der Beratung und Unterstützung bis hin zur Durchführung und Auswertung größerer Projekte, wobei wir auch die Rotary-Friedenszentren und Aktionsgruppen in aller Welt einbeziehen.

Als erstes Ergebnis dieser jahrelangen Arbeit fand trotz der Herausforderung durch die Covid-19-Pandemie am 29. und 30. Oktober 2021 in Japan die erste Kyoto-Friedenskonferenz statt. Sie wurde gemeinsam von IPSO, Rotary (Distrikte, Clubs, Friedenszentren und Aktionsgruppen) und anderen Sponsoren organisiert und beinhaltete einen Zusammenschluss von Akteuren des Friedens und der Nachhaltigkeit, die in verschiedenen Regionen der Welt tätig sind.  Es wurden “gebrauchsfertige” Ideen entwickelt, die direkt in nicht rein akademische Projekte umgesetzt werden können.

Vernetzung vergrößert Wirkung

Auch wenn diese erste Konferenz in einem gemischten Online- und Präsenzformat abgehalten wurde, konnten dadurch viele Menschen mit ähnlichen Zielen vernetzt werden. Wir brauchen Menschen, die sich in allen Bereichen emgagieren und die zusammenarbeiten, wenn wir wirklich etwas erreichen wollen.

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