DEI-Task-Force-Mitglied Valarie Wafer über den langen Weg zu Vielfalt und Inklusion

Porträtfoto von Valarie Wafer; das Foto zeigt eine hellhaarige, lächelnde Frau

Im September 2020 bildete Rotary eine Arbeitsgruppe, die bewertete, inwieweit Vielfalt, Gleichstellung und Inklusion (DEI) bei Rotary aktuell umgesetzt werden. Darauf aufbauend wird sie einen umfassenden Aktionsplan erstellen, der uns dabei hilft, diese Prinzipien weiter zu verankern. In diesem Interview erläutert Task-Force-Mitglied Valarie Wafer ihre Arbeit im Ausschuss und warum DEI für die Organisation so wichtig ist.

Ihr Unternehmen (eine Tim Horton’s-Franchise-Filiale), ist für seine integrativen Einstellungspraktiken ausgezeichnet worden. Sie haben also direkte Erfahrung damit, welchen Wettbewerbsvorteil Unternehmen/Organisationen entwickeln, wenn sie sich auf Inklusion konzentrieren. Welche langfristigen Vorteile kann eine Organisation wie Rotary daraus ziehen, wenn sie DEI noch mehr zu einem Teil ihrer Kultur und Arbeitsweise macht?

Unser Betrieb wurde dafür ausgezeichnet, dass er Menschen mit Behinderungen aller Art in jeder Position einstellt, von Einstiegspositionen bis zum Management. Wir haben eine Kultur der Inklusion aufgebaut, indem wir bewusst und engagiert mit jedem/jeder Mitarbeiter/in gesprochen haben, um sicherzustellen, dass sie die nötigen Werkzeuge haben, um ihre Arbeit erfolgreich zu leisten. Unsere Kunden bestätigten uns, dass sie gerne mit uns zusammenarbeiten, weil wir die Vielfalt in unserer Gemeinde auch bei unseren Mitarbeitenden widerspiegeln.

Ich ziehe oft den Vergleich zwischen Rotary und einem Franchise-Unternehmen. Jedes Franchise-Unternehmen ist in einem Gemeinwesen tätig, und obwohl die wichtigsten Produktangebote an jedem dieser Standorte mit der Unternehmensmarke übereinstimmen, sind sie auf die demografischen Gegebenheiten abgestimmt. Und das trifft auf Rotary Clubs wirklich zu. Wir haben eine starke, wiedererkennbare Marke, aber unsere Kultur und unsere rotarischen Erfahrungen können selbst in einem Club am anderen Ende der Stadt anders sein. Die Repräsentation des Gemeinwesens ist gut für unsere Arbeit und gut für unsere Rotary Clubs, denn wenn man zu uns kommt und das Gefühl hat, man selbst sein zu können und geschätzt zu werden, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass man bleibt.

Welche Eigenschaften haben Organisationen mit einer starken, dauerhaften DEI-Kultur gemeinsam? Und was kann Rotary von diesen Organisationen lernen?

Ich denke, es geht um Attraktivität, Bindung und Engagement, was letztlich zu Gewinn in Unternehmen führt. Wichtiger als Ihre Richtlinien sind Ihre Praktiken und Ihre bewusste, engagierte Führung. Sagen Sie es nicht nur, sondern tun Sie, was Sie propagieren. Eine DEI-Kultur ist eine Kultur, in der es in Ordnung ist, Fehler zu machen, für großen Ideen auch Risiken einzugehen und dafür nicht bestraft zu werden – was zu mehr Innovation führt. Ein Unternehmen, das für diese Art von Kultur bekannt ist, wird mit größerer Wahrscheinlichkeit talentierte Menschen anziehen und binden.

Attraktivität, Bindung und Engagement haben für Rotary höchste Priorität. Die Erklärung des Zentralvorstands zu Diversität, Gleichstellung und Inklusion ist eine bewusste Entscheidung und spiegelt die Rückmeldungen der Rotary-Mitglieder dazu wider. Wir hören von Rotary- und Rotaract-Mitgliedern auf der ganzen Welt, dass Rotary nicht nur über DEI sprechen, sondern auch sinnvolle Maßnahmen dafür ergreifen soll. Daher wurde die Task Force gegründet, die einen fortlaufenden Plan für solche Maßnahmen und messbaren Veränderungen entwickelt.

Auch unsere Clubs und Distrikte nehmen sich der Sache an und gründen DEI-Ausschüssen, um ihre Mitglieder zu informieren, zu sensibilisieren und mit den Gruppen aus ihrem Gemeinwesen in Kontakt zu treten, die derzeit noch nicht in den Clubs vertreten sind. Wir sind uns bewusst, dass dies eine langfristige Aufgabe ist und dass wir die Rückmeldungen unserer Mitglieder berücksichtigen müssen.

Unser Vorstand betont, dass Rotary Fragen der Vielfalt, Gleichstellung und Inklusion nicht als Teil einer politischen Richtung betrachtet. Was meinen wir damit?

Menschenrechte und Menschenwürde sind Grundlage eines Rechtsstaats und werden von allen demokratischen Parteien anerkannt, egal welcher politischen Ausrichtung. Wir alle können dabei helfen, Vorurteile, Stereotype und Hass abzubauen. Information und ein offener Dialog sind dabei entscheidend. Und Rotarys Grundwerte sowie die 4-Fragen-Probe weisen uns die Richtung.

Da unsere Organisation in so vielen Ländern und Kulturen vertreten ist, ist Rotary geographisch und kulturell doch bereits sehr vielfältig. Warum ist es für Rotary wichtig, allen Beteiligten auch eine integrative Erfahrung zu bieten?

Vielfalt allein ist nicht genug, damit eine Organisation als inklusiv gilt. Nicht in allen Clubs werden alle willkommen geheißen oder erhalten den Raum, sie selbst zu sein und ihre einzigartigen Perspektiven und Lebenshintergründe einzubringen. Der RI-Zentralvorstand hat kürzlich die Empfehlung der Task Force angenommen, unsere frühere DEI-Erklärung zu erweitern. Ich denke, diese Maßnahme bringt unsere Absicht zum Ausdruck, nach innen und außen zu schauen. Wir haben unser Bekenntnis zu unserer Erklärung von 2019 erneuert und sie erweitert, um anzuerkennen, dass einige Mitglieder in der Vergangenheit auf Barrieren gestoßen sind. Wir wollen auch sicherstellen, dass unsere Partner Gleichstellung fördern, und wir wollen die Einzigartigkeit jedes Menschen feiern. Die Ehrlichkeit, die in der Erklärung zum Ausdruck kommt – dass wir transparent sein, weiter lernen und uns verbessern werden – zeigt, dass dies eine lange Reise ist, der wir uns als Führungskräfte verpflichtet fühlen.

Wie können Rotary Clubs ein solches integratives Umfeld in Gemeinwesen auf der ganzen Welt fördern?

Wir sind uns bewusst, dass Vielfalt in Afrika anders ausgerichtet ist als in Indien, Europa oder Nordamerika. Das ist einer der Gründe, warum die Task Force ein externes Beratungsunternehmen als Partner für die Durchführung unserer DEI-Umfrage, der Fokusgruppen und der Interviews mit Amtsträgern engagiert hat. Es war wichtig für uns zu eruieren, wo wir heute stehen, damit wir unsere zukünftigen Fortschritte daran messen können. Die Task Force wird nun einige übergreifende Schlüsselthemen untersuchen, um Richtlinien, Training, Informationsmaßnahmen sowie Möglichkeiten zu entwickeln, wie Clubs Gemeinwesen weltweit bei der Schaffung eines integrativen Umfelds unterstützen können. Wir haben noch viel Arbeit vor uns, und wir müssen allen unseren Mitgliedern helfen und ihnen zuhören.


Zur Person: Valarie Wafer, Vorsitzende der Arbeitsgruppe, ist Vizepräsidentin 2021/22 von Rotary International und Mitglied des Rotary Clubs Collingwood-South Georgian Bay in Ontario, Kanada. Sie amtierte bereits als RI-Trainingsleiterin, Mitglied des Organisationskomitees für den Jahreskongress 2018 in Toronto, stellvertretende Regionalkoordinatorin der Rotary Foundation und Vertreterin des RI-Präsidenten. (Zum vollständigen Lebenslauf)

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