RYLA – Prägende Erfahrungen auch für behinderte Jugendliche

Ein Mödchen im Rollstuhl klatscht sich bei einer Teamaktion mit einem anderen Mödchen ab, das neben ihr steht; im Hintergrund siegt man weitere Jugendliche mit und ohne Rollstuhl umgeben von Bäumen und Bergen

Jugendliche mit und ohne Behinderung lernen und haben Spaß beim RYLA Camp

Von Karen C. Loeb, Doctor of Education (Ed.D.), PMP®, Rotary Distrikt 5450

Sie haben vielleicht schon Einiges über Diversität, Gleichstellung und Inklusion (Diversity, Equity, and Inclusion – DEI) bei Rotary gehört. Das Konzept lässt sich für alle möglichen Bereiche umsetzen, in denen Rotary sich engagiert. Auch RYLA-Veranstaltungen (Rotary Youth Leadership Awards) können entsprechend ausgerichtet werden.

Das RYLA Plus des Distrikts 5450 ist speziell für Jugendliche mit körperlichen Behinderungen gedacht. Die Organisatoren von RYLA Plus arbeiten mit der Organisation Easterseals Colorado zusammen, um dieses RYLA-Programm in einer ADA*-konformen Camp-Einrichtung zu veranstalten, in der geschultes medizinisches Betreuungspersonal für die besonderen Bedürfnisse der Camper zur Verfügung steht. Die Eltern fragen oft: „Was haben Sie bloß in dieser einen Woche mit meinem Kind gemacht?“ und strahlen dann vor Stolz über die positiven Veränderungen, die sie bei ihren Teenagern beobachten.

(*American Disabilities Act von 1960: Gesetz zum Verbot der Diskriminierung behinderter Menschen)

Kooperation mit „Easterseals“

Die meisten Dinge, die wir bei Rotary tun, beginnen mit einer persönlichen Motivation. Meiner Schwester wurden nach einem Autounfall beide Beine amputiert, und das motivierte mich, im College mit Menschen mit Behinderungen zu arbeiten. Zu sehen, wie diese Schüler/innen schwimmen lernen und Selbstvertrauen aufbauen, zeigte mir, wie ich etwas bewirken und gleichzeitig anderen helfen kann. 

Als mein Rotary Club nach einem neuen Projekt suchte, ergriff ich die Chance, mit Easterseals Colorado zusammenzuarbeiten, um deren Einrichtungen zu renovieren und unser das RYLA-Programm des Distrikts 5450 für Jugendliche mit körperlichen Behinderungen anzupassen. Wir wussten nicht, dass Easterseals und Rotary eine erstaunliche historische Verbindung haben (der Gründer von Easterseals, Rotarier Edgar Allen, und Paul Harris waren enge Freunde)!

Kontakte zu Schulen sowie Organisation der Finanzierung und Betreuer  

Unser RYLA-Programm an die Bedürfnisse unserer besonderen Camper anzupassen, erforderte verschiedene Schritte: Wir mussten zunächst Beziehungen zu Schulen und therapeutischen Kliniken aufbauen, um Teilnehmer zu rekrutieren, wir brauchten finanzielle Unterstützung von Rotary Clubs, um die kostenlose Teilnahme an den Camp-Aktivitäten zu ermöglichen, und wir mussten nach rotarischen und jugendlichen Betreuern suchen.

Heute, acht Jahre später, haben wir dank unserer Vorbereitung, unserer Anpassungsfähigkeit und des Vertrauens, das wir bei den Teilnehmern und Eltern aufbauen konnten, bereits sieben Camps mit großem Erfolg durchgeführt.

Was die Teilnehmer/innen lernen

Unsere Camper finden nicht nur neue Freundinnen und Freunde, sondern erleben ein offenes Umfeld, in dem sie sich willkommen und nicht als Außenseiter. Sie erleben, wie ehemalige Camper zu Junior-Counselors werden, die die Aktivitäten leiten und die Nachbesprechungen führen. Sie werden von Redner/innen inspiriert, die ihre eigenen Behinderungen überwunden haben, um im Sport erfolgreich zu sein oder sich in Organisationen einzubringen, um etwas zur Gesellschaft beizutragen.

Sie lernen, Probleme zu lösen, im Team zu arbeiten und körperliche Herausforderungen zu meistern (z. B. unsere Kletterwand zu erklimmen und anschließend die Seilrutsche hinunterzufahren). Die Camper entwickeln Selbstvertrauen und die Bereitschaft, sich neuen Herausforderungen zu stellen – einige von ihnen schaffen es sogar in die Schlittenhockey-Nationalmannschaft, nehmen an Kursen teil, die wöchentliche Präsentationen erfordern, oder machen ihren Abschluss am College.

Auch die Eltern berichten, dass ihre Teenager unabhängiger sind und sich neue Ziele setzen. Und viele von ihnen wollen danach als Junior-Counselors zurückkehren, um ihre Führungsqualitäten weiter zu verbessern und dazu beizutragen, eine ebenso lebensverändernde Erfahrung für jemand anderen wie sie zu schaffen.

Ihr eigenes RYLA für behinderte Jugendliche

Sollte es bei Ihnen vor Ort keine Easterseals- oder ähnliche Einrichtung geben, dann informieren Sie sich darüber, welche Ressourcen in Ihrer Gegend für Menschen mit Behinderungen zur Verfügung stehen. Selbst wenn diese Art von RYLA nicht für Ihren Club geeignet ist, gibt es dennoch Möglichkeiten, integrative Aktivitäten für junge Menschen zu gestalten. Überlegen Sie, wie Sie Ihr bestehendes RYLA-Programm so anpassen können, dass es unterschiedliche Bedürfnisse, ethnische und soziale Herkünfte, Geschlechtsidentitäten oder sexuelle Orientierungen besser berücksichtigt.

Denken Sie an die Bedürfnisse und Herausforderungen unterversorgter Gruppierungen und entwickeln Sie Programme, die die Chancengleichheit fördern. Stellen Sie sicher, dass Ihre Planungsausschüsse, Teilnehmer/innen und Freiwilligen ebenso vielfältig sind wie die Gemeinwesen, für die Ihr Club sich engagiert.

Egal, was Sie tun, Sie sollten sich darüber im Klaren sein, dass Sie das Leben derjenigen verändern können, die es am meisten brauchen. Wenn Sie Interesse an Ressourcen und Informationen zum RYLA Plus des Distrikts 5450 haben, wenden Sie sich gerne an kcloeb@gmail.com.


Eine weitere Möglichkeit, mehr Inklusivität und Partizipation zu erreichen, wird im deutschen Sprachraum mit den seit 2008 bzw. 2017 bestehenden KidsCamps und YouthCamps umgesetzt. Beide Projekte werden gemeinsam von Rotaract und Rotary Clubs eines jeweiligen Distriktes in Zusammenarbeit mit dem Urlaubskinder e. V. organisiert und bieten Kindern und Jugendlichen aus sozial benachteiligten Familien, deren Eltern sich keine Reise leisten können, eine kostenlose Zeltlager-Freizeit an.

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