Trinkwasser und Ausbildung für den Kongo

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Von Gundula Miethke, Rotary International

2,2 Milliarden Menschen weltweit haben laut UNICEF keinen regelmäßigen Zugang zu sauberem Wasser. Und gut 785 Millionen haben gar keine Grundversorgung mit Trinkwasser. Auch in der eigentlich wasserreichen Demokratischen Republik Kongo müssen 90% der 85 Millionen Einwohner vor allem in ländlichen Gebieten unsichere Wasserquellen wie Flüsse und Wasserlöcher nutzen, die meist durch die fehlende Abwasserentsorgung kontaminiert sind. Seit 15 Jahren leistet ein von Hartmut Heuser und seinem Rotary Club München-Solln initiiertes Brunnenbau- und Ausbildungsprojekt Hilfe zur Selbsthilfe.

Bis dato wurden 1200 Brunnen für rund 600.000 Menschen gebaut. Außerdem konnten 150 arbeitslose Kongolesen durch die 2007 in Kananga gegründeten „mobilen Brunnenbau-Schule“ zu Brunnenbauern ausgebildet werden. Mit ihrer Arbeit versorgen diese Facharbeiter ihre Familien, also etwa 1.350 Personen.

Alte, aber effektive Bohrtechnik

Um Dörfern und Gemeinden eine einfache und dezentrale Wasserversorgung zu ermöglichen, setzen Hartmut Heuser und seine Mitstreiter auf manuelles Brunnenbohren. Mit dieser Technik, die er in Bolivien kennenlernte und die ohne den Einsatz von Maschinen auskommt, werden Kleinbrunnen gebaut, die mit Handpumpen betrieben werden. Diese ökonomische Methode wird seit Jahrhunderten genutzt, ist aber dennoch vielen Ingenieuren nicht bekannt.

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Die Brunnenbauer fangen als lokale Helfer beim Bau der jeweiligen Anlagen an und erhalten so ihre praktische Ausbildung per „mobiler Schule“. Sie stellen die gesamte Bohrausrüstung einschließlich der Hand-Seilpumpen selbst her und kümmern sich um die Organisation von Wasserkomitees sowie die Reparatur der Brunnenanlagen. Sie gründen mit Unterstützung der rotarischen Initiative eigene Kleinunternehmen und bauen weitere Brunnen.

Das Projekt erhielt schließlich mehr und mehr Aufmerksamkeit im Lande und der Bedarf für eine professionell ausgerichtete theoretische und praktische Ausbildung im Bereich Wasserversorgung war offensichtlich. Deshalb gründete der Rotary Club München-Solln, der seit 2010 federführender Projektpate ist, im Jahr 2014 mit Unterstützung seiner Partnerorganisation „Architekten über Grenzen“ die erste staatlich anerkannte Brunnenbau-Berufsschule des Landes in Kikwit (östlich von Kinshasa), wo jährlich 50 bis 100 Brunnenbauer ausgebildet werden.

Das Schulgebäude finanzierte das BMZ Berlin. 2018 kam eine Lehrwerkstatt hinzu. Betriebskosten und Lehrergehälter werden derzeit weiterhin von den Münchner Initiatoren und ihren Unterstützern finanziert.

Insagesamt 405.000 US-Dollar investiert

Bisher flossen 180.000 US-Dollar von rotarischer Seite in das Projekt – aus vier Rotary Global Grants, für die die Rotary Clubs München-Solln, Düsseldorf-Schlossturm, Schrobenhausen, Holzkirchen, Chiemsee und Schliersee spendeten. Durch weitere Spenden katholischer Gemeinden, privater Freunde, des Deutschen Stiftungszentrums Bonn und der deutschen Botschaft in Kinshasa konnte der Betrag auf 405.000 US-Dollar aufgestockt werden. Aber auch Absolventen der mobilen Schule und die lokale Bevölkerung trugen durch Eigenleistungen ihren Teil bei und sorgen so für nachhaltigen Erfolg.

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Das Berufsschulgebäude in Kikwit

Hartmut Heuser, der auch Mitglied im Rotary Länderausschuss Deutschland-Zentralafrika ist, und seine Freunde sind noch längst nicht fertig. Derzeit arbeiten Sie an einem weiteren Global-Grant-Projekt mit einem Budget von 100.000 US-Dollar zur Errichtung von Wassertürmen auf Bohrstellen sowie parallel laufender Ausbildung. Darüber hinaus suchen sie weitere Mitstreiter für District Grants mit einem Budget von jeweils 10.000 bis 15.000 US-Dollar, um an weiteren Orten sogenannte Wasserkioske zu bauen.

Mitstreiter für Wasserkiosk-Bau gesucht

Ein Kiosk besteht aus einer klassischen Brunnenbohrung per Hand bis 40 Meter Tiefe, einem Generator mit Tauchpumpe und einem Stahlbetonturm mit einem 5.000 Liter Behälter. Von dort führen Leitungen das Wasser per Schwerkraft zu bis zu einem Kilometer entfernten Zapfstellen. Dadurch verkürzen sich die Wege, die die Menschen das Wasser nach Hause tragen müssen. Damit sollen, unabhängig von kleinen Einzelbrunnen, größere Dorfgemeinschaften mit Wasser versorgt werden.

Mit den jeweiligen Gemeinden wird ein Vertag gemacht und die Einwohner zahlen durchschnittlich 10 US-Cent pro 25 Liter Wasser, sodass ca.  40 US-Dollar täglich eingenommen werden. 50% davon sind für Betriebskosten, und 50% gehen in eine dörfliche Gemeinschaftskasse, um den nächsten Wasserkiosk zu finanzieren.

Wer mithelfen will, kann sich an Miriam Hunfeld wenden unter: miriam@hunfeld-services.com


Website
www.brunnenbau-macht-schule.org

Info-Videos
https://www.youtube.com/watch?v=ifBg0wh-mZg
https://vimeo.com/188009455

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