Vor 75 Jahren: Atombomben auf Japan – Überlebende berichten

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Zeitzeuge Hibakusha Tsuki Shohei als Jugendlicher im Jahr des Atombombenabwurfs (Mitte) und heute (rechts)

Von Jaclyn McAlester, Rotary Peace Fellow an der International Christian University in Japan

Ich bin in New Mexico in den USA aufgewachsen. Die meisten Menschen wissen nicht, dass genau dort einst Nuklearwaffen der gleichen Bauart getestet wurden wie die Atombomben, die die USA gegen Japan einsetzten. Die Tests fanden am 16. Juli 1945 statt. Kaum einen Monat später wurden die verheerenden Bomben abgeworfen: am 6. August über Hiroshima und am 9. August über Nagasaki. In diesem Sommer hat sich der erste und einzige Einsatz von Atomwaffen dieser Größenordnung in einem bewaffneten Konflikt zum 75. Mal gejährt.

Es wird geschätzt, dass zwischen 129.000 und 226.000 Menschen, meist Zivilisten, durch die Bomben ums Leben kamen. Die meisten von ihnen waren wahrscheinlich bereits am ersten Tag tot. Für die übrigen folgte ein langes, qualvolles Sterben an Verbrennungen, Strahlenkrankheit, Verletzungen und Unterernährung.

Die letzten Zeitzeugen

Dennoch gibt es Menschen, die dieses Inferno bis heute überlebt haben. Auf Japanisch werden diese Überlebenden „Hibakusha“ genannt. Die meisten von ihnen sind mittlerweile über 90 Jahre alt und sehen es als ihr wichtigstes Vermächtnis an, so vielen Menschen wie möglich von ihren Erlebnissen zu berichten.

Für mich war es eine große Ehre, eine Veranstaltung mitzuorganisieren, bei der einige dieser Überlebenden von Nagasaki aus erster Hand über die damalige Katastrophe berichten und über die Notwendigkeit von Frieden sprechen würden. Die Idee zu der Veranstaltung entstand aus einem Gespräch zwischen Michiko Yokohama, der ehemaligen Koordinatorin des Rotary-Friedenszentrums an der International Christian University, und der Rotary-Friedensstipendiatin Florence Maher.

Webinar gegen das Vergessen

ZoomBeide hatten von besorgten Überlebenden gehört, die ihr Engagement als Zeitzeugen in diesem Jahr aufgrund von COVID-19 stark eingeschränkt sahen. Hinter der Beharrlichkeit, mit der sie nach einer Möglichkeit für ihre wichtige ehrenamtliche Arbeit suchten, zeigte sich eine gewisse Dringlichkeit, ihre Erfahrungen an die junge Generation weiterzugeben. So beschloss man bei der Nagasaki Foundation for the Promotion of Peace und der Rotary Peace Fellowship Alumni Association zu kooperieren, um eine Plattform für Hibakusha zu schaffen, auf der sie ihre Geschichten in einem Webinar einem weltweiten Publikum mitteilen konnten: „Bearing Witness from Nagasaki.

Japan hat eine einzigartige Geschichte. Das ist einer der Gründe, warum ich das Rotary-Friedenszentrum in Japan für mein Studium ausgewählt habe. Denn Japan ist das einzige Land, das Erfahrungen mit Atombombenangriffen gemacht hat. Doch anstatt eine eigene nukleare Aufrüstung anzustreben, sagten die Japaner: Nie wieder.

Zuhören und voneinander lernen

Seitdem hat sich Japan zu einem der weltweit führenden Akteure im Engagement für nukleare Abrüstung und Nichtverbreitung entwickelt. Ein Land und Menschen, die unvorstellbares Grauen und Gewalt erlebt haben, sind heute aktive Fürsprecher für den Frieden. Jeden Tag, den ich hier verbringe, erfüllt mich diese Beobachtung mit Ehrfurcht. Und ich lerne von der Kultur und den Menschen hier in Japan ebenso viel über den Frieden wie durch mein Studium an der Uni.

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Michiaki Ikeda

 In einer Welt, in der manche Nationen weiterhin an Atomwaffen festhalten, hängt die Gefahr eines Atomkrieges und der folgenden Verwüstung über uns allen wie ein Damoklesschwert. Wir müssen diesen Überlebenden gut zuhören. Dies könnte unsere letzte Chance dazu sein.

Sie können sich die Aufzeichnung der Veranstaltung hier selbst anschauen und den Berichten der japanischen Zeitzeugen zuhören. Und ich hoffe, wir alle lernen aus ihren Erfahrungen und nehmen uns die Bitte von Hibakusha Tsuki Shohei zu Herzen: „Vergessen Sie das Friedensgebet dieses alten Mannes nicht.“

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